Kraftwerks-Milliardenprojekt exakt im Bau-Zeitplan

Trianel Kohlekraftwerk Lünen GmbH verlegt Firmensitz an den Stummhafen

30.04.2009

Lünen/Aachen. Fast ein Jahr ist der Baubeschluss zum Trianel-Kohlekraftwerk alt. Am 8. Mai 2008 fassten 31 Gesellschafter, vornehmlich Stadtwerke aus Nordrhein-Westfalen, aber auch aus Österreich und der Schweiz den Beschluss, das größte Stadwerke-Kooperationsprojekt der Geschichte anzugehen. Mit einer Investitionssumme von 1,4 Milliarden Euro ist das Kraftwerk zudem die größte Investition in der Geschichte des Kreises Unna.

Zwei Mitarbeiter saßen zu diesem Zeitpunkt als Mieter am zukünftigen Bauplatz im Lüner Stummhafen: Geschäftsführer Manfred Ungethüm (62) und seine Assistentin Jutta Lüchtemeier (52). Heute, zwölf Monate später sind direkt auf der Baustelle 200 Menschen beschäftigt, in der Region und bei dem Baukonsortium unter Führung von Siemens arbeiten jetzt schon weit über 1000 Menschen am Kraftwerk. Eine Zahl, die sich im Laufe des Baus noch vervielfachen wird.

Und sie arbeiten gut: Die Bauarbeiten am Trianel-Kohlekraftwerk im Stummhafen laufen nach Plan. Bisher gingen die Gewerke „Hand in Hand“, äußert sich auch Geschäftsführer Manfred Ungethüm hochzufrieden mit dem Baufortschritt. Augenfälligstes Projekt auf dem Kraftwerksgelände ist der Kühlturm, der jeden Tag rund einen Meter in die Höhe wächst. Der von außen bereits jetzt kolossal wirkende Bau ist inzwischen auf rund 25 Meter Höhe angewachsen. Bei einem Durchmesser von 108 Meter hat der Kühlturm eine Grundfläche von über 9000 Quadratmetern, damit passt theoretisch ein komplettes Fußballfeld zwischen die 48 Säulen, die den Kühlturm tragen.

Trotz seiner Ausmaße, bautechnisch ist der Kühlturm geradezu filigran. Direkt auf den 10 Meter hohen Fertigteilstützen ist die Außenhülle noch rund 80 cm dick, an der schmalsten Stelle ist die Betonschale aber nur noch ganze 18 cm stark und damit dünner als eine normale Hauswand. Möglich wird diese Ingenieursmeisterleistung durch Spezialbeton, der direkt auf der Baustelle gemischt wird. „Bevor aus dem Beton aber eine Kühlturmwand wird, geht jede Mischung durch eine Qualitätskontrolle“, so Ungethüm. Am Turm kommt ein neu entwickeltes, hydraulisches Klettergerüst zum Einsatz. Das Gerüst ist in der Lage, sich an die Krümmung der Betonschalung anzupassen. Dabei sind Klettergerüst und Schalung entkoppelt, damit sich der frische Spezialbeton nicht unter den Bewegungen des Gerüsts verzieht.

Parallel zum Kühlturmbau laufen die Fundamentarbeiten für Schaltanlagen- und Kesselhaus. Dutzende Kilometer Stahlbewehrungen haben die Eisenflechter inzwischen eingearbeitet, um den Gebäuden sicheren Stand zu verschaffen. Dabei gründet das gesamte Kraftwerk wie Venedig auf Beton-Pfählen.

Während der Bau das Gros der Arbeitszeit bindet, verliert die Mannschaft rund um Ungethüm auch andere Aufgaben nicht aus dem Blick. „Noch im Mai wird das Kraftwerk auch im Handelsregister als Lüner Unternehmen angemeldet“, so Ungethüm. Dies sei nicht nur eine ausdrückliche Bitte der Lüner Politik gewesen, sondern ihm als gebürtigem Dortmunder auch ein persönliches Anliegen: „Wir empfinden uns seit dem ersten Tag als Lüner Unternehmen, das wollen wir nun auch formal unterstreichen.“ Um den Wechsel möglich zu machen, mussten alle 31 Stadtwerke-Gesellschafter zwischen dem Schweizer Tessin und der Ostseeküste zum Notar, um ihre Zustimmung zur Sitzverlegung vom Trianel-Stammsitz in Aachen nach Lünen beglaubigen zu lassen.

 

 

  • Steinkohlekraftwerk Lünen
  • Das Trianel Netzwerk